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Freitag, 2. Februar 2007

3.Einstellarbeiten

Gut aufpassen Leute - was ihr jetzt lernt kann eure Spielfreude vervielfachen, denn die meisten Gitarren sind schon vom Werk aus soo schlecht eingestellt, das von Freude keine Rede sein kann… da ist das Spielen eher Arbeit. Fangen wir mit dem Grundlegendsten an...


3.1. Die Seitenlage

Selten bekomme ich ein Instrument in die Finger, dessen Saitenlage auch nur annähernd optimal ist. Meist ist sie zu hoch – in selteneren Fällen zu niedrig. Das liegt wahrscheinlich daran, dass so viele Faktoren für die Saitenlage eine Rolle spielen: -Steghöhe -Halskrümmung -Sattelkerbung.

3.1.1.Warum und wofür ist die richtige Saitenlage wichtig?

Das grundsätzlichste Problem, neben der schlechten Bespielbarkeit, ist die Störung der Oktavreinheit durch eine zu hohe Saitenlage. Dieses Problem erklärt sich Folgendermaßen:
Nehmen wir mal an wir greifen eine Saite im 12.Bund… dann dehnen wir die Saite durch den von unserem Finger aufgebrachten Druck und erhöhen damit die Saitenspannung – das wiederum führt zu einer Erhöhung des Tones um ein paar Cent. Da ich ein kleiner Fan von anschaulichen Rechenbeispielen bin, rechnen wir doch mal nach um wie viele mm sich eine Saite bei 3 mm Saitenabstand zum Bund mehr dehnt, als bei 1,5 mm.
Den Saitenabstand misst man dabei immer als lichten Abstand zwischen Saite und Bundoberkante am 12.Bund – natürlich käme es jetzt auch noch darauf an wie fest man die Saite herunterdrückt... drücken wir zum Beispiel so stark das die Saite auf das Griffbrett gepresst wird, so würde sich die Dehnung selbstverständlich erhöhen! Zur Vereinfachung unseres Rechenbeispiels nehmen wir einfach mal an, dass ein guter Gitarrist am Instrument wirkt und er die Saite nur so fest aufdrückt, dass sie genug Anpressdruck für einen klaren Ton hat – dann kommen wir zu der Formel:
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Nehmen wir für unser Beispiel die Mensur einer klassischen Konzertgitarre (650mm) an.

Bei 1,5mm Saitenabstand ergibt sich daraus:
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Bei 3mm Saitenabstand sind es jedoch:
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Man muss mit Erschrecken feststellen, dass sich die Saite bei Verdoppelung des Saitenabstandes um das 4-fache dehnt… bei Verdreifachung ist die Dehnung sogar 9-mal so groß! Wenn man den Graphen dieser quadratischen Funktion darstellt erhält man folgende Kurve:

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Diese Kurve verdeutlicht wie immens wichtig es ist die Saitenlage im Zaum zu halten – vor allem bei Instrumenten, die es uns nicht ermöglichen die Oktavreinheit im Nachhinein zu optimieren (das ist im Allgemeinen bei akustischen Instrumenten der Fall). Der Gitarrenbauer an sich hat sich da schon was einfallen lassen! Manch einer wird sich vielleicht schon mal gefragt haben, warum die Stegeinlagen z.B. bei Westerngitarren schräg eingebaut werden!? Das hat den Zweck die unterschiedlichen Dehnungskoeffizienten der unterschiedlich starken (und manchmal auch aus unterschiedlichen Materialien bestehenden) Saiten zu kompensieren.

Das ist natürlich ein vollkommen unvollkommener Versuch das Intonationsproblem in den Griff zu bekommen – aber er hat sich bewehrt! Man müsste sonst für jede Saite eine einzelne Mensur berechnen und für jede winzig kleine Bünde einsetzen. Ich hab mal von einem Gitarrenbauer gehört der sich diesen Stress gemacht hat – und letztlich hatte er eine Gitarre die wie ein Keyboard klang… nur reine Töne! Da musste die Welt erkennen dass die "schlechte" Oktavreinheit der Gitarre ihren Charme ausmacht – das macht alle bundierten Saiteninstrumente zu etwas ganz besonderem mit hohem Wiedererkennungswert. Und daran sollte man auch nicht zu rütteln versuchen! Allerdings klingt es einfach fürchterlich, wenn man diesen Effekt nicht auf das notwendigste Maß beschränkt! Nun hab ich so lange über die Gründe einer guten Saitenlage lamentiert – dann will ich euch mal erläutern welche Faktoren auf diese Einfluss nehmen und wie man sie begünstigt!
Fangen wir der Logik halber einfach mal oben an.

3.1.2. Der Sattel

Ursache/Wirkung:
Das Thema Sattelkerben ist ein sehr empfindliches und ich möchte vorab schon einmal jedem davon abraten diese Arbeit selbst in die Hand nehmen zu wollen. Denn erstens: ist ein Satz Sattelfeilen sehr teuer, so dass es sich kaum lohnen dürfte einen anzuschaffen, nur um an seinen eigenen paar Klampfen rumzufeilen… und zweitens: bedarf es einiger Übung, damit man die Kerben nicht zu tief feilt. Wenn das passiert ist, ist das Geheule groß – denn diesen Fehler wieder ordentlich rückgängig zu machen, bedarf noch viel mehr Handfertigkeit. Warum will ich dann überhaupt auf diesen Punkt eingehen? Gute Frage – weil viele Gitarristen gar nicht realisieren, dass ihre Saitenlage am Sattel zu hoch ist, da sie ihr Instrument ja gar nicht anders kennen.

Diagnose:
Daher sollten sich hier nun eigentlich zwei Fotographien – eine mit vorbildlich gekerbtem Sattel – eine mit nicht so 100%ig optimaler Kerbung befinden. Allerdings hab ich natürlich keine Gitarre mit zu hoher Kerbung zu Hause - schließlich will ich ja auch auf ihnen spielen müssen - ich muss also erst irgendwo in nem Laden ein Foto von einem schlechten Beispiel schießen! Daher kann ich nur den allgemeinen Rat geben: der Abstand zwischen der Saite und dem 1.Bund sollte irgendwo zwischen 0.3 und 0.5mm liegen! Aber ich kann nochmals tunlichst davor warnen selbst daran rumzufeilen, dafür braucht man 1.: das richtige Werkzeug und 2.: Übung und Fingerspitzengefühl!

Abhilfe:
Wenn ihr zu dem Entschluss gelangt, dass die Saitenlage am Sattel doch zu hoch ist, so lege ich euch einfach mal den Besuch des Gitarrenbauers eures Vertrauens ans Herz! Damit wäre das Thema also abgefrühstückt. Kommen wir zum nächsten kritischen Punkt in Punkto Saitenlage…

3.1.3. Die Halskrümmung

Ursache/Wirkung:
Da Holz als hygroskopischer Rohstoff in der Lage ist Wasser in flüssiger, wie in Dampfform aufzunehmen und die meisten Gitarrenhälse ja immer noch aus Holz sind, tritt bei Hälsen ein Phänomen auf, welches wir in der Holzbranche als „Arbeiten des Holzes“ bezeichnen. Das heißt im Klartext: der Hals verändert sich ständig – es sei denn seine Umgebung ändert sich nicht mehr! Durch Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen wird der Hals mal dicker, mal dünner, mal breiter, mal schmaler…er wird sogar länger und kürzer (was allerdings aufgrund der Quellungsanisotropie des Holzes seltener bemerkt wird).
Dass Stoffe sich bei unterschiedlichen Temperaturen unterschiedlich ausdehnen, dürfte ein alter Hut sein. Nun wird aber gerade das zum Problem, wenn wir 2 verschiedene Hölzer am Hals vorfinden – das ist z.B. der Fall bei einem Ahornhals mit Rosenholzgriffbrett. Ändert sich jetzt die Temperatur, so ändern sich auch die Maße des jeweiligen Materials in Abhängigkeit von ihrem Wärme-Ausdehn-Koeffizienten. Nehmen wir mal Holz A (Hals) dehnt sich mehr aus, als Holz B (Griffbrett), dann wird sich der Hals, aufgrund der Tatsache, dass die Hölzer durch die Leinfuge fest miteinander verbunden sind und es keine Gleitschicht zwischen ihnen gibt, verziehen. In diesem Fall würde er sich konkav verformen, d.h. der Bogen würde nach unten durchhängen (wenn wir das Griffbrett als obenauf definieren).

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Dieser Effekt wird noch durch zwei weitere Faktoren verstärkt:
- den Saitenzug und
- der Veränderung der Wasseraufnahme- und Wasserabgabefähigkeit des Holzes durch Lackierung.

Meist werden die Rückseiten von Hälsen lackiert, während das Griffbrett (es sei denn es besteht aus einem hellen Holz) bestenfalls geölt ist. Die Aufnahme und Abgabe von Wasser ist also nur über die offene Griffbrettseite möglich, da die Poren anderenorts mit Lack versiegelt sind. Ist die Luftfeuchtigkeit hoch, so ist das Holz bestrebt sich auf eine Ausgleichsfeuchtigkeit einzustellen. Da dies nur über das Griffbrett geschehen kann, nimmt dieses zuerst Wasser auf und beginnt zu quellen. Erst viel später gelangt die Feuchtigkeit in das Innere des Halses und sorgt auch dort für eine Quellung. Das Griffbrett hat das alles schon längst hinter sich und hat bereits größere Ausmaße als der Rest des Holzes.
Das bewirkt eine konvexe Wölbung des Halses (die Griffbrettseite wölbt sich nach oben). Wenn die Luftfeuchtigkeit nun wieder abnimmt, so wird auch das Holz durch sein Bestreben nach Fairness und Gleichheit so viel Wasser abgeben, bis die Ausgleichsfeuchte erreicht ist. Nun trocknet das Griffbrett aber schneller, da sich die Wassermoleküle nur an dessen Oberfläche absetzen können. Das Griffbrett wird kürzer – der Rest des Halses kommt nur sehr laaangsam nach. Und siehe da: wir haben wieder eine konkave Wölbung.
Diese harte Tatsache des Alltags birgt natürlich ein Problem: bei konkavem Verwurf des Halses erhöht sich die Saitenlage (warum das so schlimm ist, habe ich hoffentlich bereits verdeutlichen können). Bei konvexer Formänderung wird die Saitenlage flacher, die Saiten fangen an beim Schwingen gegen die Bünde zu schlagen, was sich durch ein nervtötendes Schnarren bemerkbar macht. Im Extremfall können die Saiten sogar auf den Bünden zum liegen kommen - und dann geht logischer Weise gar nichts mehr!
Um den zuvor beschriebenen Effekt zu kompensieren, hat sich einst ein schlauer Fuchs was noch viel schlaueres einfallen lassen: er hat einen Stahlstab in eine konkave Nut eingesetzt, das eine Ende arretiert und das andere Ende mit einer Kontermutter versehen. Und im Grunde hat man dieses System auch bis heute (von einigen Variationen und Verbesserungen mal abgesehen) so belassen!Wenn sich nun also der Hals konkav verzieht, kann man die Mutter (welche von der Kopfplatte, oder dem korpusseitigen Ende des Halses zugänglich ist.) anziehen und dem Saitenzug damit entgegen wirken. (Siehe Grafik)
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Diagnose:
Es gibt einige Möglichkeiten zu prüfen wie es so um die Halskrümmung steht! Die wohl präziseste wäre wohl ein langes, dickes Stahllineal- aber das halte ich für übertrieben. Daher hier zwei meiner liebsten Wege zur Erkenntnis: peilen und den Saitentrick! Wer durch das Peilen die Halskrümmung bestimmen will, braucht dafür ein gutes Auge. Am besten geht's von der Kopfplatte aus:
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Man schließt ein Auge zu und bringt das andere Auge auf eine Linie mit dem ersten und dem Letzen Bund auf der Griffbrettkante (aufgrund der technisch bedingten Unschärfe ist der letzte Bund auf dem Foto natürlich kaum zu erkennen, doch das menschliche Auge ist da weitaus leistungsfähiger!). Jetzt kann man ganz gut sehen, ob sich alle anderen Bünde auch auf dieser Linie befinden, oder nicht. Um einiges simpler ist die "Saitentrickmethode:
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Dabei legt man einen Finger der linken Hand vor den ersten und einen Finger der rechten Hand hinter den letzten Bund.Die Saite ersetzt uns jetzt das Lineal – sie liegt auf dem ersten und auf dem letzen Bund auf verläuft dazwischen gerade. Jetzt sieht man ganz wunderbar inwiefern der Hals eine konkave Wölbung aufweist – in der Mitte (in etwa am 8.Bund) müsste der Abstand zwischen Saite und Bund am größten sein. Dieser sollte in etwa eine Haaresbreite betragen, denn wenn die Saite aufliegt, kann schon eine konvexe Wölbung vorliegen… womit wir beim großen Nachteil dieser Methode wären: bei konvexen Hälsen funktioniert sie nicht! Da hilft uns nur noch das Peilen mit dem Auge, oder ein Lineal weiter!
Abhilfe:
So…mal angenommen wir haben jetzt festgestellt, dass unser Hals eine zu große Wölbung hat – wir schlagen jetzt nicht die Hände überm Kopf zusammen und rennen im Kreis wie die Hühner… wir lösen dieses Problemchen mit wenigen Handgriffen. Der Zugang zum Halsstellstab ist manchmal an der Kopfplatte mit einem kleinen Plättchen verdeckt – das müssen wir dann zunächst mal abschrauben. Eigentlich liefert jeder Gitarrenhersteller einen passenden Schlüssel für den Stellstab mit. In der Regel sind es dann 4mm Innensechskant- oder 7mm Steckschlüssel:
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Wir nehmen nun also den passenden Schlüssel und stecken ihn auf die Mutter. Je nach dem, ob der Zugang nun an der Kopfplatte oder am unteren Halsende liegt müssen wir nun zum Anziehen des Halsstellstabes nach rechts oder links drehen (siehe Fotos):
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 Fortsetzung folgt...
 
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