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1.Grundsätzliches zur Reinlichkeit PDF Drucken E-Mail
Freitag, 2. Februar 2007
Also eines muss ich ja kurz noch mal loswerden, bevor ich loslege: Ich kann es auf den Tod nicht leiden, wenn jemand mit einer Gitarre hereinspaziert kommt und meint er hätte ein Problem mit dem guten Stück… dann holt er sein Instrument aus dem Koffer/der Tasche und was kommt zum Vorschein? Eine rostige, verhurte, vom Schmand überzogene, kaum noch als solche zu erkennende Gitarre…

Also jetzt mal ganz ehrlich Leute – es liegt ja wohl auf der Hand wer da mit wem ein Problem hat… nicht der Gitarrist mit der Gitarre – nein! Eher umgekehrt! Es ist zum heulen, wie viele Musiker ihre Instrumente verkommen lassen, oder einfach nicht richtig warten und pflegen. Da kann so manch einer froh sein, dass es kein Jugendamt für Saiteninstumente gibt… denn dann würde so manche Gitarre in einem Gitarrenheim ein glücklicheres Leben führen! Ich habe schon Instrumente in der Hand gehalten, die haben in der Zeit ihres bedauerlichen Daseins noch kein einziges mal einen Putzlappen gesehen!

Es ist kein Geheimnis, wenn ich euch verrate das sich beim spielen einer Gitarre Hautpartikel und Schweiß zu einer ekeligen, aggressiven, klebrigen, zum Teil übel riechenden Masse vereinen die das Instrument langsam einzuhüllen versuchen… das weiß jeder der schon mehr als 6 Std. im spielenden Zustand mit einer Gitarre verbracht hat. Doch: (für manche von euch mag das jetzt wie der Stein der Weisen klingen) man kriegt diesen Schmand auch wieder von der Klampfe runter!!! Nein – mehr noch: man muss/kann es gar nicht erst zur Verdreckung des guten Stückes kommen lassen! Es gibt im Fachhandel viele speziell für diesen Zweck gedachte Reinigungs- und Pflegemittel, die man für ein paar Euronen käuflich erwerben kann… Und schon sieht die gute Gitarre auch nach Jahren intensiver Nutzung noch aus wie (fast) neu!

Nun wäre ich aber ein schlechter Klugscheißer, wenn ich es bei diesem, doch sehr subjektiven Argument belassen würde. Bei einem dieser vorhin erwähnten verpeekten Gitarren war das Tremolo vom aggressiven menschlichen Handschweiß so sehr angefressen, dass der Rost seiner Passion frönte - es war wahrer Graus! Zum Teil war die Chromschicht schon komplett abgelöst – also war mit polieren auch nichts mehr zu machen… Nun überlegte sich der nette Kerl tatsächlich, ob er ein neues Tremolo einbauen lassen sollte. Doch diesen Gedanken verwarf er noch in derselben Sekunde in der ich ihm den Preis für ein neues Tremolo nannte…

Was will ich euch damit jetzt sagen??? Rechnen wir doch mal nach: ein neues Tremolo kostet im Schnitt 100€ (wenn wir keinen China-Schrott wollen)! Eine Flasche Guitars-Polish etwa 6€, rechnen wir jetzt noch 4€ für Poliertücher und wir sind bei 10€ für die Reinigungsmittel. Aus meiner Erfahrung heraus würde ich sagen, dass so eine Flasche Polish ungefähr 5 Jahre hält, wenn man regelmäßig eine Gitarre damit pflegt.




Fazit: für die Kosten, die ein neues Tremolo verursacht (ohne Einbau!), können wir 50 Jahre lang unsere Gitarre frisch halten. Bei wem dieses Argument nicht zieht, bei dem geb’ ich’s auf! Nur diese „Ignoranten“ sollen sich dann auch nicht wundern, wenn’s unterm Strich dann teurer wird als sie erwartet hätten! Jetzt mal im Ernst – es nutzt nur allen Beteiligten wenn ihr bei euren Instrumenten etwas Reinlichkeit an den Tag legt… Für euch wird’s im Reparaturfall nicht unnötig teuer und der Gitarrenbauer muss sich nicht aufregen oder gar davor ekeln eure Gitarre anzufassen!

An dieser Stelle auch einen schönen Gruß an alle Vintage-Fanatiker - wer erwartet den Dreck der Jahrhunderte auch noch auf seinem Instrument zu finden, nachdem es bei mir in der Werkstatt war, der sollte das auch VORHER ausdrücklich sagen!!!! Mein Verständnis für diese „Schmutz-Nostalgie“ ist infinitesimal klein… und wer wirklich meint das sich auf seiner Gitarre der Dreck von James Marschall Hendrix befindet, dem will ich gerne seinen Glauben lassen – doch er rechne damit das ich ihn auslache!

Ich weiß ja, das bei einigen unter euch das Putzen des Instrumentes dafür sorgt das sich euch die Zehennägel aufrollen, doch seid doch mal ehrlich zu euch selbst! Ist es denn so ein Beinbruch die Gitarre nach dem Spielen mit einem trockenen Tuch abzuwischen, bei jedem Saitenwechsel mal mit Guitar-Polish über die ganze Gitarre zu wischen und dabei auch mal in die kleinen Ritzen am Tremolo zu gehen? So schlimm kann das ja wohl nicht sein! Sowohl die Lack- als auch die Metalloberflächen werden es euch danken und vieeel länger in wahrem Glanz erstrahlen.
 
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