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Sonntag, 28. Januar 2007
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Über Mich
Seite 2

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Ja... diese sympathisch dreinschauende Fratze dort oben bin ich -Matthias Rathje! Doch qualifiziert mich das allein zum Bau von Zupfinstrumenten? Ich glaube kaum! Was hab ich also vorzuweisen?

  • das handwerkliche Geschick
  • das nötige und darüber hinausgehende Wissen ein Gefühl für
  • das Design von Zupfinstrumenten
  • ich liebe diese Instrumente inbrünstig und lege diese Leidenschaft auch beim Bau selbiger an den Tag!

    Das alles fing an als ich begann Gitarre zu spielen – ich war völlig begeistert davon.Da ich auf der Realschule in Werken immer sehr gut war und meine berufliche Zukunft noch nicht entschieden hatte, informierte ich mich über den Beruf des Zupfinstrumentenmachers. Das klang alles schön und gut – doch ich war 16 und die einzige Lehrstelle 600km entfernt.

    So schob ich meinen Traum vor mir her und begann eine Lehre zum Tischler, die ich drei Jahre später mit Auszeichnung abschloss. Noch vor der Gesellenprüfung bewarb ich mich in Dinkelsbühl bei Zupfinstumentenmachermeister Ammann um einen Ausbildungsplatz. Dieser war jedoch leider schon vergeben… ich sollte aber trotzdem mal vorbei kommen und meine Unterlagen mitbringen! So fuhr ich zum ersten und bisher letzten mal die 600km nach Dinkelsbühl…

Warum ich nicht wieder runter gefahren bin? Nun ja – den Ausbildungsplatz hätte ich zwar trotzdem haben können, Meister Ammann war supernett und Dinkelsbühl eine wunderschöne Stadt – doch Herr Ammann machte auch keinen Hehl aus der wirtschaftlichen Zukunft seines Berufstandes: „Junge, ich mach dir nix vor – reich wirst du mit dem Bau von Gitarren nicht. Und entweder du arbeitest nach der Ausbildung in einer Fabrik oder du machst den Meister und dich selbstständig!“

Ich bat mir etwas Bedenkzeit aus und fuhr wieder zurück in heimische Gefilde… zwei Wochen später rief ich ihn an und sagte ab – er nahm dann doch die Auszubildende die er vorher im Auge hatte! Mir war die Selbstständigkeit in diesem Handwerk zu wackelig und in der Fabrik könnte ich auch als Tischler Gitarren bauen!

Doch ich hatte jetzt ein ernsthaftes Problem – mein Traum war zerplatzt wie eine Seifenblase! Ich hatte doch mein komplettes Leben darauf ausgerichtet… was sollte ich jetzt nur tun? Ich wollte nun wirklich nicht als Tischler den Rest meines Lebens verbringen – versteht mich nicht falsch! Ich liebe diesen Beruf, ich liebe Holz – und doch hatte ich das Gefühl, dass meine Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft waren! Ich beschloss mich weiter zu bilden, das kann ja schließlich nie schaden!

Noch einen Tag vor meiner praktischen Gesellenprüfung hatte ich meinen ersten Schultag auf der Fachoberschule Technik. Nebenher jobbte ich bei einem Möbelhaus als Möbelpacker und Haustischler. Die Zeit verging wie im Fluge… ich machte meine Fachhochschulreife, bekam meinen Einberufungsbescheid zum Wehrdienst und überbrückte die Zeit bis zur Einberufung indem ich bei meinem alten Ausbildungsbetrieb als Treppentischler arbeitete.

Die neun Monate bei der Bundeswehr haben mich zwar in keinster Weise weiter gebracht, doch ich hatte meinen Spaß dabei mit einem 11 t-Aluminium-Klumpen durchs Gelände zu eiern!!! Während der Zeit beim Bund hörte ich von der Fachhochschule für Instrumentenbau in Markneukirchen. Ich informierte mich über die Zugangsvoraussetzungen und musste mit Erschrecken feststellen, dass ich trotz meiner Vorbildung nicht alle Kriterien erfüllte. Ich musste noch ein Praktikum bei einem Instrumentenbauer vorweisen. Die Suche nach einem Praktikumsplatz in dieser Brache gestaltete sich jedoch sehr schwierig und langwierig. Also ging ich vorläufig wieder dem Job als Treppenbauer nach. Während dieser Zeit baute ich auch meine erste E-Gitarre - die "NU X-Plorer".

Irgendwann rief ich bei Boris Dommenget an um nach dem Verbleib meiner Bewerbung zu fragen… „Die hab ich nie bekommen!“, sagte er. Ich hatte sie an die falsche Adresse geschickt! Und doch bekam ich zunächst eine Absage. Er nehme keine Praktikanten da sich bei ihm am laufenden Bande junge Menschen zum Praktikum bewerben, die ein total falsches Berufsbild im Hinterkopf haben!

Außerdem würden sie mehr Arbeit machen als dass sie nützen! Er verwies mich an Herrn Wichmann aus Hamburg – der nehme am laufenden Band Praktikanten! Ich rief diesen Herren an und wurde schroff zurückgewiesen – der war total unfreundlich!!! In diesem Sinne – Gruß an Herrn Wichmann!

Boris hatte mir jedoch angeboten, dass ich ihn nochmal anrufen könne, falls das mit dem Wichmann nicht hinhauen würde! Als ich bei diesem Telefonat das Wort Tischler fallen ließ, hatte ich bei Herrn Dommenget ein offenes Ohr. Das hätte ich doch gleich sagen sollen! Ich solle mal vorbei kommen und am besten mal meine Gitarre mitbringen! Also klemmte ich mir meine NU X-Plorer mit ihrem scharfen Formkoffer unter den Arm und fuhr an die Elbmündung. Boris war schwer begeistert von dem Formkoffer… die Gitarre wäre auch nicht von schlechten Eltern – aber dieser Koffer…

Zum nächsten Ersten fing ich als 3.Praktikant-ever bei Dommenget-Custom-Guitars an. Ich lernte eine Menge über den Bau von Gitarren und ihre Reparatur – wofür ich mich an dieser Stelle nochmals bei Boris bedanken möchte! Es war ein Vergnügen von einem der wirklich Großen seines (unseres) Faches zu lernen! Denn auch wenn ich nie eine Prüfung als Gitarrenbauer abgelegt habe, möchte ich mich als solchen bezeichnen… vom Herzen her! Es haben Größen wie Angus Young (ACDC), Doug Aldrich (Whitesnake), Rudolf Schenker, Matthias Jabs und Klaus Meine (alle drei Scorpions) und Eric Bazilian (Hooters) auf Instrumenten gespielt, an deren Bau ich beteiligt war! Irgendwie ein schönes Gefühl! Nach einem halben Jahr verließ ich dann wehmütig Boris Werkstatt, um mich um eine Bleibe für mein Studium zu kümmern.

Und nun sitze ich hier heute in Hildesheim in meiner Wohnung und designe meine erste eigene Website! Die Aufmerksamen unter euch werden sich jetzt fragen: „Moment… Hildesheim? Warum nicht Markneukirchen?“ Gut aufgepasst!

Während meines Praktikums musste ich mir schmerzlich eingestehen, dass Meister Ammann damals schon wusste wovon er redet! Ich habe es ja mit meinen eigenen Augen gesehen: Boris Dommenget zählt für viele (mich eingeschlossen) zu einem der besten Gitarrenbauer der Welt… und selbst für ihn sind diese Zeiten keine goldenen! Wie soll man denn dann als Newcomer auf einen grünen Ast kommen? Studium hin oder her? Daher habe ich mich gegen das Studium in Markneukirchen und für die einzige Alternative entschieden – Holzingenieurwesen in Hildesheim.

Sooo… nun wisst ihr wer ich bin und was ich mache – ihr dürft jetzt DU zu mir sagen!!! Über Feedback jeglicher Art würd ich mich sehr freuen!!!